On- und Offline Business

Im heutigen Beitrag zu meinem künstlerischen On- und Offline Business erzähle ich euch weswegen ich nicht mehr auf Kunsthandwerkermärkten unterwegs bin.

Die Vorgeschichte

Mittlerweile bin ich einige Jahre in der Branche der Kunsthandwerker (Bereich Schmuckdesign) unterwegs. Während meines Studiums als Diplom Metallgestalter wurde mir und auch meinen Kommilitonen geraten uns bei diesen oder jenen Ausstellungsmöglichkeiten oder Wettbewerben mitzumachen. Dies soll eine gute Möglichkeit bekannt zu werden und sein Geld damit zu verdienen. Also bewarb ich mich Jahr für Jahr diesem Wettbewerb oder jener Ausstellung. Mit jeder Absage, die ich bekam wuchsen die Zweifel in mir, ob ich denn gut genug wäre. Daher wollte ich mich immer verbessern, besser im Handwerk sein, bessere Entwürfe machen. Ständig verglich ich mich mit anderen Schmuckdesignern und grübelte, was sie besser machen, als ich.

Mehr und mehr hatte ich den Eindruck, dass die Auswahl willkürlich verläuft. Zudem schien es mir, dass ich mit meinen emaillierten Schmuckstücken bei den Juroren keinen Anklang fand. Die meisten Juroren stammen aus der Nachkriegsgeneration. Für sie ist es üblich, dass sie die Traditionen hinterfragt und ab gelehnt haben. Dies drückt sich auch in den Bevorzugten Formen, Materialien und Designs aus. Demgegenüber bin ich traditionsbewusst. Zudem ist meine Formensprache eher floral und organisch. Ich begeistere mich nun einmal für die verschiedenen alten Handwerkstechniken, vor allem für Feueremail. Daher arbeite ich auch mit „klassischen“ Materialien wie Bunt- und Edelmetalle. Kunststoffe, Kunstharze und Lacke, die häufig im zeitgenössischen Schmuck verwendet werden, empfinde ich nicht als ästhetisch.

Brosche, Feueremail, Transparentemail, Sterlingsilber, Tombak, chemisches Färben von Metallen, Diplomarbeit, Autorenschmuck
Schmuckoberflächen- grafische Ausdrucksformen 5

Der Umschwung

Mit der Zeit wurde ich verbittert und Sarkasmus schlich sich ein. Ichsah mich schon mit einem goldenen Stinkefinger als Kette geschmuückt mein 10- jähriges Absagejubiläum feiern. Ber glücklicherweis kam es nicht dazu. Denn ich hörte auf, mich für Wettbewerbe und beliebten Ausstellungen wiedie Grassi Messe“ Leipzig zu bewerben.

Also recherchierte ich im Internet nach alternativen Ausstellungsmöglichkeiten. Einige hatte ich gefunden, bei denen ich mich bewerben konnte. Manche Anbieter von Märkten legten nicht viel Wert auf eine Auswahl und nahmen jeden, der die Standgebühr bezahlte.

Zur selben Zeit eröffnete ich bei DaWanda meinen eigenen Online- Shop. Dies ermöglichte mir eine gewisse Unabhängigkeit von den durch Juroren Bestimmten Wettbewerb. Doch mit der Zeit traten auch andere Probleme und Fragen auf.

Wie finden mich meine Kunden?

Wie kann ich mich vermarkten?

Was brauche ich dazu?

Reichen bezahlte Werbeanzeigen bei DaWanda aus oder gibt es andere Wege Kunden auf meine Produkte aufmerksam zu machen?

Einiges habe ich an Werbekosten versenkt, die sich nicht als sehr Effektiv erwiesen. Familie, Freunde und Bekannte hatten genauso wenig Ahnung wie ich. Hinzu kam noch mangelndes Verständnis. Oft hörte ich folgende Sätze: Mit Kunst kann man kein Geld verdienen.“, „Für einen Künstler muss durch Erbschaft finanziell gesorgt sein. Nur so kann er ungestört seiner Kunst widmen. Oder auch: „Nur mit verschiedenen Nebenjobs kann sich ein Künstler über Wasser halten.“ Doch ich hielt deren Sprüche nicht für die Weisheit letzten Schluss. Ich fragte mich stattdessen: „Warum schaffen es andere Selbständige oder Start- ups von ihren Ideen zu leben? Was machen sie anders?“Schließlich hatte ich auf Facebook Kontakt zu Unternehmern aus anderen Branchen bekommen.

„Coaching“ hieß das Zauberwort. Marketing, Positionierung, Markenaufbau, Wunschkunde, „Lebe deinen Traum“, „Starte dein Traumbusiness“ hießen die Schlagworte und Slogans. „Was ist deine Leidenschaft?“, „Wo für brennst du?“, „Was ist diene Vision? Kennst du sie?“ Die Fragen schlugen nur so auf mich ein. Überwältigend war das Angebot. Blogartikel über Blogartikel, Newsletteranmeldung mit Freebees, diverse kostenlose und kostenpflichtige Angebote. Hin- und wieder eine Online- Konferenz.

Ringe, Ohrstecker eckig, Kette, Anhänger eckig, Sterlingsilber, Edelsteine, goldschmieden
Ugug- Serie

On- und Offline Business

Zuerst dachte ich noch ich könnte noch beide Bereiche nebeneinander laufen lassen. Neben meiner Ausstellungstätigkeit mir meine Online- Präsenz aufbauen. Die Coaching- Angebote, die ich nahm halfen mir dabei. Hier konnte ich viel über mich, meine Träume und Ideen lernen. Sie dann zu Zielen und Plänen gestalten. Viele neue Impulse habe ich dadurch erhalten.

Aber das Hamsterrad der klassischen Selbständigkeit blieb bestehen. Märkte und Ausstellungen heraussuchen, Bewerbungen schreiben, auf Rückmeldungen warten, bangen, ob ich genommen werde oder nicht. Meistensgab es eine negative Rückmeldung. Zudem war nie Verlass darauf, ob ich bei einer Ausstellung zum 2. Mal genommenwurde oder nicht. Ach, verkaufen und Umsatz gemerieren ist auch noch wichtig. Und weiter: Anfahrt, Übernachtungen buchen, Auto packen, Stand auf- und abbauen, Schmuck eindekorieren.

Mitarbeiter?- Fehlanzeige. Ansonsten würde ich Privilegien, die der Staat Künstlern einräumt verlieren.

Zusammenbruch und Neuanfang

Letztes Jahr ging dann gar nichts mehr, ich war nur noch gestresst und viel erkältet. Ich hatte die Freude an meinem Business komplett verloren. Zwischen meinem künstlerischen On- und Offline Business hatte ich mich aufgerieben. Hatte ich für meine Internet- Präsens gearbeitet, Ziele gesteckt und Pläne gemacht, durfte ich wegen der Ausstellungen alles Unterbrechen. Obwohl ich mir Routinen angeeignet hatte, die meinen Alltag strukturieren, fiel ich trotzdem immer wieder aus meinem Trott hinaus. Auf das gesamte Jahr gesten, hatte ich einen unregelmäßigen Arbeitsrhythmus. Die Ausstellungen waren immer an unterschiedlichen Terminen im Jahr verteilt. Mal arbeitete ich an einem Wochenende, dann wieder nicht.

Da mich die ständige Bewerberei mich nur noch frustrierte, beschloss ich Ende letzten Jahres meine Tätigkeit auf Märkten und Ausstellungen (vorerst) einzustellen. So kann ich mich in Ruhe meiner Online- Präsenz widmen und sie ausbauen.

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